Fokussierter Ultraschall
Ein Eingriff ohne Schnitt, der vor allem den Tremor deutlich lindern kann. Ein Überblick.
Stand: Oktober 2026

Was ist das?
Beim MRT-gesteuerten fokussierten Ultraschall (MRgFUS) werden Ultraschallwellen ohne Hautschnitt und ohne Narkose auf einen wenige Millimeter großen Punkt im Gehirn gebündelt. Die entstehende Wärme schaltet dort krankhaft aktive Nervenzellen dauerhaft aus. Es ist ein neurochirurgischer Eingriff und keine sanfte Methode.
Bei welchen Beschwerden?
Entscheidend ist der Zielpunkt im Gehirn:
- Tremor (Thalamus): am besten belegt. Beim essentiellen Tremor geht das Zittern im Schnitt um 60 bis 70 Prozent zurück, oft sofort. Auch beim tremorbetonten Parkinson wirkt es gut.
- Verlangsamung und Steifigkeit (Nucleus subthalamicus): neuer Ansatz. Studien berichten von über 50 Prozent weniger Tremor, Steifigkeit und Verlangsamung auf der behandelten Seite. Für beidseitige Behandlungen fehlen Langzeitdaten.
- Wirkschwankungen und Überbewegungen (pallidothalamische Bahn): Auf diesen Zielpunkt bezieht sich die neue beidseitige Zulassung in den USA.
Lange wurde nur eine Körperseite behandelt. Bei beidseitigem Tremor kann inzwischen in einem zweiten Eingriff mit Abstand auch die zweite Seite am Thalamus behandelt werden. Das ist ein anderer Zielpunkt als bei der neuen beidseitigen Parkinson-Zulassung in den USA (siehe unten). Gedacht ist der Eingriff vor allem für Menschen, die schon einige Jahre Parkinson haben und deren Beschwerden mit anderen Mitteln nicht mehr ausreichend zu behandeln sind, nicht für das Frühstadium. Bei Parkinson kann die Wirkung über die Jahre wieder nachlassen, weil die Krankheit fortschreitet.
Beide Seiten (neu seit 2025): Die US-Behörde FDA hat 2025 erstmals die Behandlung beider Körperseiten zugelassen, in zwei Eingriffen im Abstand von mindestens sechs Monaten, für Wirkschwankungen und Überbewegungen (Michael J. Fox Foundation). Die Zulassungsstudie erschien 2026 in The Lancet Neurology. Von 54 Patienten wurden 40 auf beiden Seiten behandelt. Die Wirkschwankungen und Überbewegungen gingen um rund zwei Drittel zurück, die Wirkung hielt mindestens ein Jahr. Bleibende Probleme mit Sprache, Gang oder Gleichgewicht traten nach der zweiten Seite aber bei etwa jedem Vierten auf, nach nur einer Seite bei etwa 2 Prozent (NeurologyLive).
Sicherheit
Im Vergleich zur Tiefen Hirnstimulation gibt es keinen Schnitt und kein Implantat. Schwere bleibende Komplikationen sind selten (1 bis 2 Prozent). Häufig sind vorübergehende Taubheitsgefühle, Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder leichte Sprachprobleme, die meist innerhalb von Wochen bis Monaten abklingen.
Zentren in Deutschland
Erfahrene Zentren sind unter anderem das UKSH Kiel (größte Fallzahl, forscht auch zur Behandlung von Verlangsamung und Steifigkeit), das Universitätsklinikum Bonn (seit 2018), die Paracelsus-Elena-Klinik Kassel, das Universitätsklinikum Freiburg und seit 2025 Sana Duisburg.
Kosten
Eine einseitige Behandlung kostet meist 15.000 bis 25.000 Euro. Beim essentiellen Tremor übernehmen die Kassen häufig die Kosten, bei Parkinson wird im Einzelfall entschieden. Vorher immer einen Kostenvoranschlag und einen Antrag bei der Kasse einreichen.
Meine Einschätzung
Ich habe keinen fokussierten Ultraschall machen lassen, für mich kommt er im Frühstadium nicht in Frage. Für Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung und starkem Tremor, ob einseitig oder beidseitig, ist es aber eine wichtige Möglichkeit, die man kennen sollte.