Tanganil und N-Acetyl-L-Leucin
Eine alte, günstige Aminosäure aus Frankreich, die 2024 Schlagzeilen machte. Bei mir hat sie bisher nichts bewirkt, spannend bleibt sie trotzdem.
Stand: Oktober 2026
Was ist das?
Tanganil ist ein Medikament aus Frankreich, das dort seit 1960 rezeptfrei gegen Schwindel verkauft wird. Der Wirkstoff ist Acetyl-DL-Leucin, eine abgewandelte Aminosäure. Er besteht zu gleichen Teilen aus zwei spiegelbildlichen Formen: der L-Form und der D-Form. Die reine L-Form heißt N-Acetyl-L-Leucin (kurz NALL).
Was sagt die Forschung?
September 2024: Prof. Wolfgang Oertel von der Universität Marburg berichtete in Nature Communications über zwei Patienten mit REM-Schlafverhaltensstörung, einem häufigen Vorboten von Parkinson. Unter Acetyl-DL-Leucin besserten sich ihre Beschwerden, und die Bildgebung des Dopaminsystems verbesserte sich teilweise. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie nannte das eine „sensationelle Beobachtung“. Es sind aber Einzelfälle.
2025: Dieselbe Gruppe beschrieb drei Patienten mit fortgeschrittener Multisystematrophie, einer mit Parkinson verwandten Erkrankung. Bei ihnen verschlechterten sich Gehen und Gleichgewicht deutlich. In diesem Stadium raten die Autoren eher ab.
März 2026: Forscher der Northwestern University in Chicago um Prof. Dimitri Krainc zeigten im Journal of Clinical Investigation an Nervenzellen von Parkinson-Patienten und an Mäusen: Nur die L-Form senkt das krankhafte Alpha-Synuclein. Sie aktiviert dabei das Schutzeiweiß HTRA1, steigert das Eiweiß Parkin und verbessert die Funktion der Nervenverbindungen. Die D-Form hatte keine Wirkung. Die reine L-Form ist in den USA seit 2024 als Medikament gegen die seltene Niemann-Pick-Krankheit Typ C zugelassen.
Kontrollierte Studien bei Menschen mit Parkinson stehen noch aus.
Quellen: Oertel et al., Nature Communications 2024 · Song et al., Journal of Clinical Investigation 2026
Meine Erfahrung
Am 14. September 2024 habe ich mit Tanganil begonnen und die Dosis innerhalb einer Woche auf 5 Gramm am Tag gesteigert (10 Tabletten, verteilt auf morgens, mittags und abends), wie in der Marburger Veröffentlichung. Seit dem 25. Februar 2025 nehme ich stattdessen 2,5 Gramm der reinen L-Form. Das entspricht derselben Menge an wirksamem L-Leucin.
- Nebenwirkungen: keine
- Verschlechterungen: keine
- Wirkung auf meine Symptome: nach zwei Jahren keine, die ich eindeutig zuordnen kann
- Stimmung: sehr gut, aber ich wende viele Methoden gleichzeitig an, auch Lithium
Ich nehme NALL trotzdem weiter, weil andere Betroffene in den Foren von positiven Erfahrungen berichten. Prof. Strupp aus München hat auf einem Kongress 4,5 Gramm am Tag als mögliche bessere Dosis genannt. Eine Erhöhung überlege ich mir.
Praktische Hinweise zur L-Form
NALL gibt es als Pulver. Es löst sich nicht in Wasser, deshalb fülle ich es mit einer Feinwaage in Kapseln zu etwa 500 mg ab. Bei 2,5 Gramm am Tag braucht man rund 900 Gramm im Jahr, bei 4,5 Gramm rund 1.600 Gramm. Wem das zu aufwendig ist, bleibt besser bei Tanganil-Tabletten.
Bezugsquellen kann ich wegen Abmahnungen leider nicht nennen. Bitte schreibt mich deswegen nicht an.
Aufwand und Kosten
Tanganil kostet bei 5 Gramm am Tag rund 500 Euro im Jahr, NALL bei 2,5 Gramm rund 300 Euro. Tanganil ist in Frankreich rezeptfrei, in Deutschland nicht zugelassen. Die Beschaffung ist schwieriger geworden.
Mein Fazit
Bei mir hat Tanganil bisher nichts bewirkt. Trotzdem halte ich es für eine der spannendsten Entdeckungen der letzten Jahre: ein altes, günstiges und gut verträgliches Mittel. Wenn sich die Beobachtungen in größeren Studien bestätigen, könnte es vor allem Menschen im Vorstadium oder frühen Stadium helfen. Bitte sprecht vor der Einnahme mit eurem Arzt.