Propionat und Butyrat
Kurzkettige Fettsäuren aus dem Darm, die in einer Studie Beweglichkeit und Denken verbesserten.
Stand: Oktober 2026

Was ist das?
Propionat und Butyrat (Propionsäure und Buttersäure) sind kurzkettige Fettsäuren, die gesunde Darmbakterien aus Ballaststoffen bilden. Butyrat ist die wichtigste Energiequelle der Darmzellen. Bei Parkinson fehlen oft genau die Bakterien, die es herstellen. 2'-Fucosyllactose (2FL) ist ein Zucker aus der Muttermilch, der diese Bakterien füttert.
Was sagt die Forschung?
In einer randomisierten, doppelt verblindeten Studie bekamen 72 Parkinson-Patienten sechs Monate lang Propionat plus Butyrat, 2FL oder alles zusammen, jeweils in Kapseln mit verzögerter Freisetzung, damit die Stoffe erst im Dickdarm ankommen (Scientific Reports).
- In allen drei Gruppen verbesserte sich die Motorik um mindestens 5 Punkte im UPDRS Teil III, ein klinisch relevanter Wert.
- Der Bedarf an Levodopa sank um über 15 Prozent.
- Auch das Denken verbesserte sich in allen Gruppen, der Geruchssinn nur in den Gruppen mit 2FL.
- Die Darmflora selbst veränderte sich kaum. Die Wirkung lief offenbar über eine dichtere Darmwand und ein ruhigeres Immunsystem.
- Bei der Verstopfung schnitt die Kombination aus allen drei Stoffen am besten ab.
Verwendet wurden täglich 1.200 mg Propionat, 2.400 mg Butyrat und 3.900 mg 2FL. Eine Placebogruppe gab es nicht, und sechs Monate sind zu kurz, um eine Wirkung auf den Verlauf zu beurteilen.
Tributyrin: Kommt Butyrat im Gehirn an?
An der Universität Michigan nahmen 14 Parkinson-Patienten einen Monat lang dreimal täglich 500 mg Tributyrin, eine Vorstufe von Butyrat (Neurotherapeutics). Mit einem neuen PET-Verfahren, das Butyrat im Körper sichtbar macht, konnten die Forscher zeigen: Nach einem Monat kam im Gehirn mehr Butyrat aus der Nahrungsergänzung an. Das ist bemerkenswert, denn für die meisten Nahrungsergänzungen ist nicht einmal belegt, dass sie das Gehirn überhaupt erreichen. Die Teilnehmer schnitten danach auch bei Tests zu Gedächtnis, Gang und Koordination besser ab, und Entzündungswerte im Blut sanken. Allerdings war es eine kleine Studie ohne Placebogruppe. Die Verbesserungen sind deshalb nicht bewiesen. Dass der Stoff ankommt, ist ein wichtiger erster Schritt, aber noch kein Beleg für eine Wirkung.
Neu (2026): Die Medizinische Hochschule Hannover hat weitere Ergebnisse ihrer Studie mit 72 Patienten veröffentlicht. Die Kombination aus 2FL und kurzkettigen Fettsäuren verringerte nach sechs Monaten die Verstopfung deutlich und verbesserte die Lebensqualität, eine Placebogruppe gab es aber nicht (Neurology and Therapy). Seit November 2025 läuft außerdem BUTTER2, die erste Studie, die Tributyrin gegen ein Placebo testet: 45 Patienten mit Gedächtnisproblemen, 3 × 500 mg am Tag über 90 Tage, Ergebnisse 2027 (ICH GCP, NCT07154511).
Erhältlichkeit
Propionat gibt es als Natriumpropionat, Butyrat als Natriumbutyrat (riecht unangenehm) oder als besser verträgliches Tributyrin, 2FL als Muttermilch-Oligosaccharid. Wichtig: Die meisten frei verkäuflichen Kapseln lösen sich schon im Dünndarm auf. Ihre Wirkung kann deshalb deutlich von den Studienpräparaten abweichen.
Meine Erfahrung
Ich nehme inzwischen täglich Propionat und Butyrat. Meine Heilpraktikerin, die sich auf den Darm spezialisiert hat, meint, dass mein Darmmikrobiom durch die bisherigen Transplantationen und meine Ernährung bereits gut in Form ist.
Mein Fazit
Eine spannende Studie, die zeigt, wie eng Darm, Immunsystem und Gehirn zusammenhängen. Einfacher und günstiger ist es, die eigenen Buttersäurebildner zu füttern: mit vielen Ballaststoffen aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn.