Forschung 2026

Die wichtigsten Entwicklungen des Jahres: erste Zelltherapie zugelassen, ein neues Medikament in den USA, eine Impfung in Erprobung und einige Rückschläge.

Stand: Oktober 2026

Forschung 2026
Bild: Morozless, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

2026 ist für die Parkinson-Forschung ein Schlüsseljahr. Viele wichtige Ergebnisse und Entscheidungen fielen in diesem Jahr, gute und enttäuschende. Hier mein Überblick, Stand Oktober 2026.

Die guten Nachrichten

Neue Nervenzellen aus Stammzellen: in Japan zugelassen

Für mich die aufregendste Entwicklung. Forscher züchten aus Stammzellen Vorläufer von Dopamin-Nervenzellen und pflanzen sie direkt ins Gehirn, genau dort, wo das Dopamin fehlt. Im April 2025 zeigte die Universität Kyoto in Nature, dass die Transplantation sicher war, die Zellen überlebten, Dopamin bildeten und sich bei mehreren Patienten die Motorik besserte. Im März 2026 hat Japan als erstes Land der Welt eine solche Zelltherapie zugelassen, unter dem Namen Amchepry, zunächst befristet und unter Auflagen, für Patienten, bei denen die Medikamente nicht mehr ausreichend wirken.

Mit Bemdaneprocel der Firma BlueRock läuft außerdem eine entscheidende Phase-3-Studie. Die erste kleine Studie mit zwölf Patienten zeigt inzwischen über drei Jahre eine gute Sicherheit und Hinweise auf weniger Phasen schlechter Beweglichkeit. Für Menschen im frühen Stadium wie mich ist das noch nicht gedacht. Aber zum ersten Mal gibt es eine Therapie, die verlorene Nervenzellen ersetzt.

Stammzellen in Europa: die STEM-PD-Studie aus Lund

Im Juli 2026 hat die schwedisch-britische Studie STEM-PD ihre ersten Ergebnisse in Nature Medicine veröffentlicht (Nature Medicine). Acht Patienten mit mittelschwerem Parkinson bekamen Dopamin-Vorläuferzellen aus embryonalen Stammzellen in beide Gehirnhälften. Nach zwölf Monaten war das Hauptziel erreicht: Die Behandlung war sicher. Es gab keine durch das Transplantat ausgelösten Überbewegungen. In der PET-Bildgebung zeigte sich mehr Dopamin-Aktivität dort, wo die Zellen eingesetzt wurden. Sechs von sieben Teilnehmern konnten ihre Medikamente deutlich verringern. Ein Teilnehmer starb an einer Lungeninfektion, die nach Angaben der Forscher nicht direkt mit den Zellen zusammenhing. Die Wirksamkeit wird erst nach drei Jahren bewertet. Eine Phase-2-Studie soll Ende 2026 oder Anfang 2027 starten (Universität Lund). Für mich zeigt die Studie: Was Japan begonnen hat, funktioniert auch in Europa.

Tavapadon in den USA zugelassen

Am 25. September 2026 hat die FDA Tavapadon von AbbVie unter dem Namen Juvmo zugelassen: eine Tablette einmal am Tag, die gezielt nur an den D1- und D5-Rezeptoren ansetzt und dadurch weniger Nebenwirkungen haben soll. Tavapadon lindert die Symptome, hält die Krankheit aber nicht auf. In den USA soll es ab Oktober 2026 erhältlich sein. In Europa steht eine Zulassung noch aus. Mehr unter Tavapadon.

Solengepras: ein neuer Wirkstoff ohne Dopamin

Am 7. Oktober 2026 hat die US-Firma Cerevance auf dem Weltkongress für Bewegungsstörungen in Seoul die Ergebnisse der Phase-3-Studie ARISE vorgestellt. 341 Patienten mit Wirkungsschwankungen, die ihre Parkinson-Medikamente weiter nahmen, bekamen zwölf Wochen lang einmal täglich 75 mg oder 150 mg Solengepras oder ein Placebo. Mit 150 mg sank die tägliche OFF-Zeit um rund 37 Minuten stärker als mit Placebo, und die Alltagsfähigkeiten besserten sich. Solengepras setzt nicht am Dopamin an, sondern hemmt den Rezeptor GPR6 im Striatum, es wäre damit eine ganz neue Wirkstoffklasse. Dyskinesien traten selten auf (4,4 gegenüber 1,8 Prozent), häufiger waren Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Übelkeit. Die Firma will nun mit der FDA über einen Zulassungsantrag sprechen (Cerevance). Solengepras lindert die Symptome, den Verlauf bremst es nach heutigem Wissen nicht.

Die Impfung gegen Parkinson: gut verträglich

Die Schweizer Firma AC Immune testet mit ACI-7104 (Studie VacSYn) eine Impfung, die das Immunsystem selbst Antikörper gegen verklumptes Alpha-Synuclein bilden lässt. Im September 2026 meldete die Firma nach 100 Wochen: Die Impfung war bei den 34 Teilnehmern gut verträglich, und alle 25 Geimpften bildeten Antikörper, die auch im Nervenwasser ankamen (9 weitere Teilnehmer bekamen ein Placebo). Ob sie die Krankheit bremst, ist noch offen, dafür war dieser erste Teil nicht ausgelegt. Einen größeren zweiten Teil will die Firma Anfang 2027 mit der FDA besprechen. Ich finde diesen Ansatz faszinierend.

Buntanetap: mein Favorit unter den neuen Wirkstoffen

Buntanetap von Annovis Bio ist eine Tablette, die die Bildung gleich mehrerer giftiger Eiweiße bremsen soll: Alpha-Synuclein, Beta-Amyloid, Tau und TDP-43. In einer Phase-3-Studie mit 523 Patienten im frühen Stadium hat Buntanetap das Hauptziel in der Gesamtgruppe nicht erreicht. Die Firma berichtete über Verbesserungen bei Patienten, deren Diagnose länger als drei Jahre zurücklag, und bei den geistigen Fähigkeiten. Solche Ergebnisse aus Untergruppen müssen erst in weiteren Studien bestätigt werden (Fierce Biotech). Derzeit läuft eine offene Anschlussstudie über drei Jahre, in die bis August 2026 rund 270 von geplant 500 Patienten aufgenommen wurden, parallel eine Phase-3-Studie bei Alzheimer (Annovis Bio). Einen Zulassungsantrag für Parkinson hat die Firma bisher nicht angekündigt.

Hopledo in der EU zugelassen

Im August 2026 wurde in der EU Hopledo zugelassen, eine Kapsel mit Levodopa und Carbidopa, die einen Teil des Wirkstoffs schnell und einen Teil lang anhaltend freisetzt. Sie ist für Menschen gedacht, bei denen Levodopa nicht mehr gleichmäßig über den Tag wirkt. In der Zulassungsstudie mit 506 Patienten brachte sie rund eine halbe Stunde mehr gute Zeit am Tag als herkömmliches Levodopa, bei etwa drei statt fünf Einnahmen täglich. In den USA ist das Mittel als Crexont schon erhältlich, in Europa soll es ab Oktober 2026 schrittweise auf den Markt kommen (NeurologyLive). Es ist eine verbesserte Form eines bekannten Wirkstoffs, keine neue Therapie.

Früherkennung

Das verklumpte Alpha-Synuclein lässt sich inzwischen in Nervenwasser, Haut oder Blut nachweisen, oft Jahre vor den ersten Symptomen. Das ist wichtig, weil neue Therapien vermutlich umso besser wirken, je früher sie beginnen.

Wie sich Parkinson im Gehirn ausbreitet

Forscher um Prof. Stephen Strittmatter an der Universität Yale haben rund 4.400 Eiweiße auf der Oberfläche von Zellen untersucht (Nature Communications). Sie wollten wissen, über welche Eintrittspforte fehlgefaltetes Alpha-Synuclein in gesunde Nervenzellen gelangt. Zwei Eiweiße stachen heraus: mGluR4 und NPDC1. Beide sitzen auf den Dopamin-Nervenzellen, die bei Parkinson zugrunde gehen. Mäuse, denen eines davon fehlte, waren vor dem Zellverlust geschützt. Das ist reine Grundlagenforschung an Mäusen. Aber zum ersten Mal gibt es einen konkreten Ansatzpunkt, um die Ausbreitung selbst zu bremsen.

Zellen aus dem eigenen Körper: Aspen Neuroscience

Die US-Firma Aspen gewinnt die Nervenzellen aus Hautzellen des Patienten selbst, deshalb sind keine Medikamente gegen Abstoßung nötig. Im März 2026 meldete sie für 8 Patienten nach zwölf Monaten gut zwei Stunden mehr gute Zeit am Tag und deutlich bessere Motorik, ohne schwere Überbewegungen (Pressemitteilung, BioSpace). Es sind Firmendaten mit sehr wenigen Patienten.

Die Rückschläge

Was noch läuft

Neue Technik

Fokussierter Ultraschall darf in den USA seit 2025 auch auf beiden Seiten nacheinander angewendet werden. Bei der Tiefen Hirnstimulation gibt es eine adaptive Variante, die sich an die aktuellen Hirnsignale anpasst. Mehr unter Fokussierter Ultraschall.

Mein Fazit

Ein Mittel, das Parkinson nachweislich stoppt, gibt es bis heute nicht. Aber noch nie gab es so viele ernsthafte Ansätze gleichzeitig. Ich hoffe, dass einer davon rechtzeitig kommt.